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Geschichts- und Kulturwissenschaften

Europa, insbesondere Osteuropa stand im Mittelpunkt der Stiftungsarbeit zum Thema Geschichte, dem Schwerpunktthema der Wissenschaftsförderungen der Stiftung bis 2008. Die Stiftung schaffte Begegnungen und Diskussionsforen zum gemeinsamen Forschen für junge Historiker aus Ost und West. Darüber hinaus wurde die Aufarbeitung der deutsch-jüdisch-israelischen Geschichte unterstützt.

Gerd Bucerius Doktoranden-Stipendien ”Deutschland und seine östlichen Nachbarn - Beiträge zur europäischen Geschichte”
Deutschland und seine östlichen Nachbarn verbindet eine mehr als tausendjährige gemeinsame Geschichte in Europa, die mit dem Ende der Teilung neue Bedeutung gewonnen hat. Die Entstehungsgründe unterschiedlicher kultureller und politischer Identitäten aber auch ihrer Gemeinsamkeiten muss kennen, wer die europäische Zukunft der Nationen Mittel- und Osteuropas gestalten will. Die Geschichte der historischen Nachbarn in der Mitte und im Osten der Alten Welt muss in ihren Gemeinsamkeiten erkannt und in ihrem Trennenden als komplementär und bereichernd akzeptiert werden. Denn nur im Wissen um seine komplexe Vergangenheit wird das neue Europa mehr sein können, als es das alte war.

Mit ihren Gerd Bucerius Doktoranden-Stipendien unterstützt die ZEIT-Stiftung die Erforschung der historischen Beziehungen zwischen Deutschland und Mittel- sowie Osteuropa. 64 junge Wissenschaftler erhielten die Möglichkeit, ihre Dissertation zur Geschichte des mittel- oder osteuropäischen Raumes zu verfassen. Die abgeschlossenen und noch laufenden Forschungsarbeiten sollen ein besseres Verständnis der Geschichte Deutschlands und Ostmitteleuropas befördern. Die internationale Zusammenarbeit junger Forscher sowie der Wissenschaftstransfer zwischen den lange getrennten Regionen unseres Kontinents werden gestärkt.

Das Programm wurde letztmalig 2007 ausgeschrieben. Der Jury gehörten an:
PD Dr. Werner Benecke, Göttingen, Frankfurt/Oder
Prof. Dr. Winfried Eberhard, Leipzig,
Prof. Dr. Johannes Fried, Frankfurt/Main,
Prof. Dr. Manfred Hildermeier, Göttingen,
Prof. Dr. Michaela Marek, Leipzig,
Dr. Frithjof Benjamin Schenk, München.

Das Simon Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig hat sich die Erforschung der vielschichtigen jüdischen Geschichte in den multiethnischen Großreichen (Deutsches Reich, K.u.k Monarchie, Osmanisches Reich, Zarenreich) zur Aufgabe gemacht. Es stellt im deutschsprachigen Raum aufgrund seiner interdisziplinären und supranationalen Forschungsvorhaben und Wissenschaftsbeziehungen nach Osteuropa und Israel eine einzigartige Forschungseinrichtung dar. Um dieser Schnittpunktfunktion im Wissenschaftsdialog besser als bisher gerecht werden zu können, erhielt das Institut Mittel für Doktorandenstellen und/oder kurzfristige Studienstipendien für Doktoranden, insbesondere aus Israel und Osteuropa.
Informationen zum Dubnow Institut: http://www.dubnow.de

„History Takes Place“ – Sommerakademie Europäische Gedächtnisorte
Seit 2003 lädt die ZEIT-Stiftung jeweils bis zu zwanzig junge Historiker und Kulturwissenschaftler zu Studienkursen ein, um an wechselnden Orten das "Spektrum der Mitte und des Ostens Europas" (H. v. Keyserlingk) zu ermessen. Diese Metropolen und ihre Regionen werden als Gedächtnisorte begriffen. Die Teilnehmer verfolgen historische Spuren in der örtlichen Topografie, in der Architektur und in Denkmälern. Die Stadt selbst wird als Quelle gelesen – „History Takes Place“.

Die Sommerakademie "History Takes Place – Urban Change in Europe" fand vom 6. bis 18. September 2010 in Paris statt. Sie zielte auf eine Internationalisierung und Vernetzung der Geschichts-, der Kultur- und Sozialwissenschaften sowie der Architektur und Stadtplanung, um den gegenwärtigen urbanen Wandel in Europa am Beispiel der französischen Metropole angemessen zu untersuchen. Prof. Dr. Thomas Kirchner (Goethe-Universität Frankfurt/Main) war der wissenschaftliche Leiter der Sommerakademie. Sie wurde realisiert in Kooperation mit dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte und mit freundlicher Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung.
Weitere Informationen unter www.history-takes-place.de

Paris ist nicht nur eine der lebendigsten europäischen Metropolen, sondern auch eine der geschichtsträchtigsten. Seit 987 die Hauptstadt Frankreichs, gewinnt die Stadt in der Frühen Neuzeit an weltpolitischer Bedeutung. An diesem Ort wird europäische Geschichte gemacht, es ist ein Ort der politischen Auseinandersetzungen. Paris hat immer wieder innere Kämpfe und Revolutionen erlebt, die auch die politische Entwicklung in anderen Ländern beeinflussten. Mehrfach wurde die Stadt im 19. und 20. Jahrhundert insbesondere von deutschen Truppen belagert, besetzt und bedroht.

Von Rom übernahm Paris in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die kulturell prägende Rolle in der westlichen Hemisphäre. Diese Position konnte die Stadt bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts behaupten – von den Wissenschaften über die Künste bis hin zur Alltagskultur gab Paris über Jahrhunderte den Ton an.

Der Mythos der Weltstadt bewahrt Paris nicht vor einer Fülle gesellschaftlicher Konflikte. Die Stadt scheint gefangen in ihren räumlichen Grenzen des 19. Jahrhunderts und hat Schwierigkeiten, die in ihrer Banlieue lebende Bevölkerung zu integrieren. Die historisch gewachsene städtebauliche Trennung zwischen dem urbanen Zentrum und der Peripherie zählt, ebenso wie die soziale Segregation und die wachsende Wohnraumnot, seit Jahren zu den augenfälligen Problemen des „Großraums Paris“.

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Ausschreibung 2010